Dokumentation des Fachtags

Publikation: FAQs zu Flucht und Asyl in Berlin 2017
Publikation: FAQs zu Flucht und Asyl in Berlin 2017

Die neuen FAQs zu "Flucht und Asyl in Berlin" stehen nun zum Download zur Verfügung. Weitere Informationen finden Sie unter Aktuelles.

Publikation: Community Communication

Unsere aktuelle Broschüre im Arbeitsfeld Community Communication ist erschienen: Wie lässt sich Bürgerprotest zur diskursiven Mitgestaltung im Gemeinwesen weiterentwickeln? Hier geht es zum Download. 

Frohe Festtage!

Wir wünschen Ihnen erholsame Feiertage, ein friedliches Weihnachtsfest, Glück, Gesundheit und alles Gute für das kommende Jahr. Wir freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen 2019 mit Ihnen!

 
 

Geschichte des MBT Berlin

Entwicklung, Projekte, Schwerpunkte

2001–2005

Im Jahr 2001 wurde das Mobile Beratungsteam, damals noch unter dem Namen „Ostkreuz – Netzwerke gegen Rechts“, im Rahmen des Bundesprogramms CIVITAS gegründet. In den ersten Jahren konzentrierte sich die Arbeit entsprechend der Förderrichtlinien noch auf präventive Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit in Ostberlin. Der Schwerpunkt der Tätigkeiten lag auf Einzelberatungen, Vernetzungsarbeiten, Recherchen, Schulprojekttagen und Fortbildungen.

In den Folgejahren erweiterte sich das Tätigkeitsfeld auf den ganzen Berliner Raum, womit sich auch der Fokus insgesamt veränderte: Auf Phänomene Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) und vorurteilsbasierte Konfliktlagen im Sozialraum.

Arbeitsmaterialien, Foto: Henning Hattendorf
Arbeitsmaterialien, Foto: Henning Hattendorf
Publikationen und Flyer, Foto: Henning Hattendorf
Publikationen und Flyer, Foto: Henning Hattendorf
 

2006–2011

Im Jahr 2006 wurde bekannt, dass eine muslimische Gemeinde den Bau der ersten Moschee in Ostberlin plante. Eine bezirkliche Informationsveranstaltung über das Bauvorhaben eskalierte, Protest gegen die Moschee formierte sich, der Konflikt polarisierte die Bevölkerung auch über die Bezirksgrenzen hinweg. Im Auftrag des damaligen Integrationsbeauftragten konzipierte das Mobile Beratungsteam eine Dialogreihe, in der sich die verschiedenen Konfliktlager begegneten und diskutierten. Im Weiteren erwuchs hieraus eine beteiligungs- und zukunftsorientierte Anwohnerinitiative, die bis heute erfolgreich im und für den Sozialraum engagiert ist.

Vor dem Hintergrund dieser sozialräumlich angebundenen Konfliktmoderation entstand das Konzept „Community Communication“.

Im selben Jahr wurde mit fachlicher Anbindung an das Mobile Beratungsteam und in derselben Trägerschaft die bezirkliche Koordinierungsstelle Polis* gegen demokratiegefährdende Phänomene in Berlin-Marzahn-Hellersdorf eingerichtet.

Ab 2007 entwickelte das MBT in Anlehnung an Ansätze des Diversity Managements neue Konzepte für Jugend-und Bildungseinrichtungen, die als präventive Maßnahmen gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wirken sollten und in verschiedenen Teilprojekten des Mobilen Beratungsteams erprobt wurden. Die Projekte unter dem Titel „Vielfalt Gestaltet“ wurden in Schulen, Jugendfreizeitstätten und berufsorientierten Bildungseinrichtungen durchgeführt.

In den Folgejahren nahm darüber hinaus der Bedarf an Beratungen und Fortbildungen zu, die sich thematisch mit dem Islam sowie Formen und Bezügen des religiösen Extremismus beschäftigten. Flankierend hierzu wurden vom MBT als präventive Maßnahmen interreligiöse Dialoge begleitet, deren Fokus auf der Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen wie vorurteils- und wertebasierten Konflikten lag.

Zusätzlich dazu war die Mobile Beratungsarbeit in diesen Jahren von verstärkten Vernetzungs- und Austauschangeboten wie dem „Landesweiten Dialog Berlin“ oder der Unterstützung der Interkulturellen Tage, sozialräumlichen Recherchen und Beratungen und längerfristigen Beratungsprozessen von Jugend- und Bildungseinrichtungen  gegen Diskriminierung geprägt.

Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013) 
Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013)
Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013) 
Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013)
 
 

2012–2018

Unser offen moderierender und dialogorientierter Arbeitsansatz kam bei der prozessbegleitenden Beratung von konfessionalisierten, ethnisierten und interkulturellen Konfliktlagen im Gemeinwesen zur Anwendung. So wurde das MBT auf Anfrage lokaler Akteurinnen und Akteure z. B. bei Konflikten im Zusammenhang mit der EU-Binnenmigration bzw. der Armutszuwanderung diskriminierter Minderheiten aus Ost- und Südosteuropa moderierend und allparteilich tätig.

Im Jahr 2012 begann die Zahl der Asylgesuche in der Bundesrepublik leicht anzusteigen. Im Jahr 2013 wurden die ersten größeren Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt eingerichtet und eröffnet. Im Sommer 2013 lud der Bezirk Marzahn-Hellersdorf aufgrund einer anstehenden Eröffnung einer Unterkunft zu einer Informationsversammlung ein, die von mehreren hundert Menschen besucht wurde, von denen längst nicht alle in der Umgebung der Unterkunft lebten. Ein großer Teil der Besucher/innen äußerte sich ablehnend bis feindlich gegenüber den zukünftigen Bewohner/innen im Sozialraum, die Stimmung schaukelte sich im Verlauf der Veranstaltung hoch, eine sachliche Diskussion war kaum noch möglich.

In der Folge unterstützte das Mobile Beratungsteam das örtliche Bezirksamt dabei, eine deeskalierende Kommunikationsstrategie mit den eigentlichen Anwohnerinnen und Anwohnern sowie einen längerfristigen Nachbarschaftsdialog vor Ort zu entwickeln.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen konnte der fachliche Ansatz „Community Communication“ erneut erprobt, verfeinert und professionalisiert werden.

Mit den weiter steigenden Zahlen der in Deutschland neu ankommenden Flüchtlinge, stieg auch der Bedarf nach Kommunikationskonzepten und Moderationsleistungen in den jeweiligen Sozialräumen, um vorurteilsbasierten Stimmungen und Konflikten wirksam zu begegnen.

Parallel zu der Weiterentwicklung verschiedener Community-Communication-Formate erprobte das MBT den Einsatz biografischer Methoden im Rahmen der politischen Bildung und begleitete in diesem Zusammenhang eine Gruppe aus Schüler/innen einer Berliner Schule über mehrere Monate hinweg.

Moscheebau in Pankow, Foto: MBT Berlin (2006) 
Moscheebau in Pankow, Foto: MBT Berlin (2006)
Moscheebau in Pankoww, Foto: MBT Berlin (2006) 
Moscheebau in Pankoww, Foto: MBT Berlin (2006)
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
 

2014 wurde vor dem Hintergrund der Empfehlungen des parlamentarischen „NSU-Untersuchungsausschusses“ eine Kooperation mit der Berliner Polizeiakademie (damals noch Polizeischule Berlin) geschlossen. Im Rahmen der Kooperation berät das MBT die Akademie bei der Konzeption und Durchführung von Seminaren in der Aus- und Fortbildung, die in den Themenbereichen interkulturelle Kompetenz und Diversityorientierung, Vorurteile und Diskriminierungssensibilisierung und Hate Crime relevant sind.

Aus dieser Kooperation ist 2016-2017 eine weitere Kooperation mit dem Diversity-Büro der Berliner Polizei hervorgegangen. Mit dem Projekt „Polizei und Vielfalt“ konnten 16 Polizeidienststellen in der Reflexion über den internen und externen Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit fachlich von uns begleitet werden.

Im Gespräch mit der Berliner Polizei, Foto: Polizei Berlin 
Im Gespräch mit der Berliner Polizei, Foto: Polizei Berlin
Berliner Polizei 
Berliner Polizei
 

2016 gab sich das MBT seinen heutigen Namen und ersetzte „Ostkreuz“ durch „Berlin“, um die Zuständigkeit für das gesamte Berliner Stadtgebiet zu untermauern und Missverständnisse über den Standort des MBTs zukünftig zu vermeiden.

Seit 2016 berät das MBT Berlin Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit dazu, wie Herausforderungen in den verschiedenen Phasen des Ankommens und der Integration gemeistert werden können. Der Fokus liegt hierbei auf vorurteils- und wertebasierten Konflikten und Normvorstellungen sowohl unter Flüchtlingen als auch zwischen Aufnahmegesellschaft und Neuzugewanderten.

2017 wurde der biografische Ansatz wieder aufgegriffen: In mehreren Workshops und Erzählsalons, die in Kooperation mit einem lokalen Partner durchgeführt wurden, stand die nachholende Anerkennung von Menschen mit Migrationsgeschichte im Fokus.

Mit dem Fachtag im November 2018 unter dem Titel "Ankommen und Gestalten - Beteiligung von Neuzugewanderten in Berlin" bot das MBT einen Rahmen für den Erfahrungstransfer und die Vernetzung von Praktikerinnen und Praktikern aus der Geflüchtetenarbeit.

Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf 
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf 
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf 
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf
 

2019 

Für 2019 zeichnet sich ab, dass weiterhin Beratungsbedarf im Kontext von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Neuzuwanderung nach Berlin besteht sowohl mit Blick auf konkrete Konfliktlagen als auch mit Blick auf präventive Ansätze.

Mit dem Projekt „Erzählt und Zugehört! Lebensgeschichten im Dialog“ der Stiftung SPI, das 2018 ins Leben gerufen wurde, können wir verstärkt biografisch orientierte Dialogformate erproben, mit dem Ziel demokratische Haltungen zu stärken bzw. demokratiedistanzierten Haltungen vorzubeugen und entgegenzuwirken.

Das Mobile Beratungsteam blickt auf nunmehr 18 Jahre Erfahrungen und Expertise zurück, die in zahlreichen Publikationen dokumentiert sind. Das fachliche Profil und Angebot fußt heute auf drei Säulen: Community Communication, Diversityorientierung und Diskriminierungssensibilisierung sowie Demokratiebildung in der Migrationsgesellschaft. Alle drei Tätigkeitsfelder stehen in engem Zusammenhang und haben das Ziel, die demokratische Aushandlungs- und Diskursfähigkeit der Gesellschaft in komplexen Vielheitsverhältnissen zu erhalten und zu erweitern, um so gruppenbezogenen menschenfeindlichen Stimmungen und Handlungen wirksam und nachhaltig zu begegnen.

Die Besonderheit mobiler Beratung liegt dabei bis heute darin, nicht nur räumlich mobil, sondern auch flexibel auf sozialräumliche und gesellschaftliche Bedarfe und Konfliktlagen reagieren zu können - auf Grundlage 18jähriger Erfahrung und mit der Offenheit, Fragen des demokratischen Zusammenlebens immer wieder neu zu stellen und situationsgerecht zu beraten.

So wächst die Einsicht, dass Fragen der Beteiligung drängender werden, dass Veränderungsprozesse oft längerfristige Begleitung brauchen und nicht zwischen "großer und kleiner Pause" erledigen werden können und dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern gelebt, erstritten und verteidigt werden muss. Es bleibt viel zu tun.


Das Mobile Beratungsteam Berlin ist ein Projekt der

Stiftung SPI

Förderer und Zuwendungsgeber

Demokratie leben!
Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung
LADS
 
Landesprogramm jugendnetz-berlin

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