Community Communication
Unser Konzept für Dialog im Gemeinwesen
Gesprächsanker

für den Umgang mit demokratiefeindlichen und diskriminierenden Äußerungen

Wir arbeiten mobil in Berlin
Wir arbeiten mobil in Berlin
 
 

Geschichte des MBT Berlin

Entwicklung, Projekte, Schwerpunkte

2001–2005

Im Jahr 2001 wurde das Mobile Beratungsteam, damals noch unter dem Namen „Ostkreuz – Netzwerke gegen Rechts“, im Rahmen des Bundesprogramms CIVITAS gegründet. In den ersten Jahren konzentrierte sich die Arbeit entsprechend der Förderrichtlinien noch auf präventive Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit in Ostberlin. Der Schwerpunkt der Tätigkeiten lag auf Einzelberatungen, Vernetzungsarbeit, Recherchen, Schulprojekttagen und Fortbildungen.

In den Folgejahren erweiterte sich das Tätigkeitsfeld auf den ganzen Berliner Raum, womit sich auch der Fokus insgesamt veränderte, nämlich auf Phänomene Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) und damit zusammenhängende Konfliktlagen im Sozialraum.

Arbeitsmaterialien, Foto: Henning Hattendorf
Arbeitsmaterialien, Foto: Henning Hattendorf
Publikationen und Flyer, Foto: Henning Hattendorf
Publikationen und Flyer, Foto: Henning Hattendorf
 

2006–2011

Im Jahr 2006 wurde bekannt, dass eine muslimische Gemeinde den Bau der ersten Moschee in Ostberlin plante. Eine bezirkliche Informationsveranstaltung über das Bauvorhaben eskalierte. Protest gegen die Moschee formierte sich, der Konflikt polarisierte die Bevölkerung auch über die Bezirksgrenzen hinweg. Im Auftrag des damaligen Integrationsbeauftragten konzipierte das Mobile Beratungsteam eine Dialogreihe, in der sich die verschiedenen Konfliktlager begegneten und diskutierten. Im Weiteren erwuchs hieraus eine beteiligungs- und zukunftsorientierte Anwohnerinitiative, die bis heute erfolgreich im und für den Sozialraum engagiert ist.

Vor dem Hintergrund dieser sozialräumlich angebundenen Konfliktmoderation entstand das Konzept „Community Communication“.

Im selben Jahr wurde mit fachlicher Anbindung an das Mobile Beratungsteam und in derselben Trägerschaft die bezirkliche Koordinierungsstelle Polis* gegen demokratiegefährdende Phänomene in Berlin-Marzahn-Hellersdorf eingerichtet.

Ab 2007 entwickelte das MBT in Anlehnung an Ansätze des Diversity Managements neue Konzepte für Jugend- und Bildungseinrichtungen, die als präventive Maßnahmen gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wirken sollten und in verschiedenen Teilprojekten des Mobilen Beratungsteams erprobt wurden. Die Projekte unter dem Titel „Vielfalt gestaltet“ wurden in Schulen, Jugendfreizeitstätten und Bildungseinrichtungen zur Berufsorientierung durchgeführt.

In den Folgejahren stieg darüber hinaus der Bedarf an Beratungen und Fortbildungen zu den Themenfeldern Islam sowie religiösem Extremismus an. Als flankierende Präventionsmaßnahme begleitete das MBT zudem interreligiöse Dialoge zur Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen. Der Fokus lag dabei auf vorurteils- und wertebasierten Konflikten.

Zusätzlich dazu war die Mobile Beratungsarbeit in diesen Jahren von verstärkten Vernetzungs- und Austauschangeboten wie dem „Landesweiten Dialog Berlin“ sowie der Unterstützung der Interkulturellen Tage, sozialräumlichen Recherchen und Beratungen und längerfristigen Beratungsprozessen von Jugend- und Bildungseinrichtungen gegen Diskriminierung geprägt.

Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013) 
Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013)
Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013) 
Abschlussveranstaltung Modellprojekt "Nürtikulti - Vielfalt gestaltet Grundschule", Foto: Nürtikulti (2013)
 
 

2012–2019

Unser moderierender, dialogorientierter Arbeitsansatz bewährte sich auch weiterhin in der prozessbegleitenden Beratung bei Konflikten im Gemeinwesen - dabei spielten insbesondere konfessionalisierende und ethnisierende Zuschreibungen eine Rolle. So wurde das MBT beispielsweise bei Auseinandersetzungen im Kontext der EU-Binnenmigration und der Zuwanderung diskriminierter Minderheiten aus Ost- und Südeuropa tätig, die von feindseligen Einstellungen wie Romafeindlichkeit geprägt waren.

Im Jahr 2012 begann die Zahl der Asylgesuche in der Bundesrepublik wieder leicht anzusteigen. Im Jahr 2013 wurden aus diesem Grund größere Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt eingerichtet und eröffnet. Im Sommer 2013 lud der Bezirk Marzahn-Hellersdorf aufgrund der anstehenden Eröffnung einer Unterkunft zu einer Informationsversammlung ein. Diese wurde von mehreren hundert Menschen besucht, die längst nicht alle in der näheren Umgebung der Unterkunft lebten. Ein großer Teil der Besucher/innen äußerte sich ablehnend bis feindlich gegenüber den zukünftigen Bewohner/innen. Die Stimmung schaukelte sich im Verlauf der Veranstaltung hoch, eine sachliche Diskussion war kaum noch möglich.

In der Folge unterstützte das Mobile Beratungsteam das örtliche Bezirksamt dabei, eine deeskalierende Kommunikationsstrategie mit den eigentlichen Anwohnerinnen und Anwohnern sowie einen längerfristigen Nachbarschaftsdialog vor Ort zu entwickeln.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen konnte der fachliche Ansatz „Community Communication“ erneut erprobt, verfeinert und professionalisiert werden.

Mit den weiter steigenden Zahlen der in Deutschland neu ankommenden Asylsuchenden stieg auch der Bedarf an Kommunikationskonzepten und Moderationsleistungen in den jeweiligen Sozialräumen, um Vorurteilen und der Ablehnung von Flüchtlingen wirksam zu begegnen.

Parallel zur Weiterentwicklung verschiedener Community-Communication-Formate erprobte das MBT den Einsatz biografischer Methoden im Rahmen der politischen Bildung und begleitete in diesem Zusammenhang eine Gruppe aus Schüler/innen einer Berliner Schule über mehrere Monate hinweg.

Proteste gegen Moscheebau in Pankow, Foto: MBT Berlin (2006) 
Proteste gegen Moscheebau in Pankow, Foto: MBT Berlin (2006)
Proteste gegen Moscheebau in Pankow, Foto: MBT Berlin (2006) 
Proteste gegen Moscheebau in Pankow, Foto: MBT Berlin (2006)
Flüchtlingsunterkunft in Marzahn-Hellersdorf , Foto: MBT Berlin 2013 
Flüchtlingsunterkunft in Marzahn-Hellersdorf , Foto: MBT Berlin 2013
 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013 
Marzahn-Hellersdorf Flüchtlingsunterkunft, Foto: MBT Berlin 2013
 

2014 wurde als Reaktion auf die Empfehlungen des parlamentarischen „NSU-Untersuchungsausschusses“ eine Kooperation mit der Berliner Polizeiakademie (damals noch Polizeischule Berlin) geschlossen. Im Rahmen der Kooperation berät das MBT die Akademie bei der Konzeption und Durchführung von Seminaren in der Aus- und Fortbildung zu dem Themenbereichen interkulturelle Kompetenz und Diversityorientierung, Vorurteile und Diskriminierungssensibilisierung sowie Hate Crime.

Aus dieser Kooperation ist 2016-2017 eine weitere Kooperation mit dem Diversity-Büro der Berliner Polizei hervorgegangen. Mit dem Projekt „Polizei und Vielfalt“ konnten 16 Polizeidienststellen bei der Reflexion über den internen und externen Umgang mit Vielfalt und Verschiedenheit fachlich von uns begleitet werden.

Im Gespräch mit der Berliner Polizei, Foto: Polizei Berlin 
Im Gespräch mit der Berliner Polizei, Foto: Polizei Berlin
Berliner Polizei 
Berliner Polizei
 

2016 gab sich das MBT seinen heutigen Namen und ersetzte „Ostkreuz“ durch „Berlin“, um die Zuständigkeit für das gesamte Berliner Stadtgebiet zu untermauern und Missverständnisse über den Standort des MBTs zukünftig zu vermeiden.

Seit 2016 berät das MBT Berlin Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit dazu, wie Herausforderungen in den verschiedenen Phasen des Ankommens und der Integration gemeistert werden können. Der Fokus liegt hierbei auf vorurteils- und wertebasierten Konflikten und Normvorstellungen sowohl unter Flüchtlingen als auch zwischen Aufnahmegesellschaft und Neuzugewanderten.

Ende 2016 veröffentlichte das Mobile Beratungsteam Berlin (MBT Berlin) die Handreichung „Ankommen – Durch Normenorientierung und Wertediskussion den Integrationsprozess für Flüchtlinge erleichtern“. Ziel war die Anregung eines Dialogs darüber, wie mit Fragen zu allgemeinverbindlichen Normen und Werten in der professionellen und ehrenamtlichen Beziehungsarbeit mit Neuzugewanderten umgegangen werden kann.

Mit der Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten" führte das MBT Berlin im Herbst 2017 die Auseinandersetzung mit diesen Themen fort.

Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf 
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf 
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf 
Veranstaltungsreihe "Ankommen gestalten", Herbst 2017, Foto: Henning Hattendorf
 

2017 wurde außerdem  der biografische Ansatz wieder aufgegriffen: In mehreren Workshops und Erzählsalons, die in Kooperation mit einem lokalen Partner durchgeführt wurden, stand die nachholende Anerkennung von Menschen mit Migrationsgeschichte im Fokus. 

Mit dem Projekt „Erzählt und Zugehört! Lebensgeschichten im Dialog“ der Stiftung SPI, das 2018 von Mitarbeiterinnen des MBT ins Leben gerufen wurde, erproben wir verstärkt biografisch orientierte Dialogformate. Ziel ist es, demokratische Haltungen zu stärken bzw. demokratiedistanzierten Haltungen vorzubeugen und entgegenzuwirken. Zunächst konzentrierte sich das Projekt auf Teilnehmende in Marzahn-Hellersdorf, daran anschließend soll eine Gruppe im Bezirk Pankow aufgebaut werden.

Mit dem Fachtag im November 2018 unter dem Titel "Ankommen und Gestalten - Beteiligung von Neuzugewanderten in Berlin" bot das MBT einen Rahmen für den Erfahrungstransfer und die Vernetzung von Praktikerinnen und Praktikern aus der Flüchtlingsarbeit.

Fachtag "Ankommen und Gestalten", November 2018 (Bild: H. Hattendorf)
Fachtag "Ankommen und Gestalten", November 2018 (Bild: H. Hattendorf)
Fachtag "Ankommen und Gestalten", November 2018 (Bild: H. Hattendorf) 
Fachtag "Ankommen und Gestalten", November 2018 (Bild: H. Hattendorf)
 

Auch 2019 bestand weiterhin großer Beratungsbedarf. Da uns viele Anfragen zum Umgang mit "diskriminierenden und demokratiefeindlichen Äußerungen" erreichten, reagierte das MBT darauf mit der Veröffentlichung von Gesprächsankern und einer Broschüre mit Hintergrundinfos und methodischen Anregungen. Diese wurden sehr gut angenommen und können weiterhin kostenfrei über mbtberlin@stiftung-spi.de bestellt werden.

Broschüre Gesprächsanker
Gesprächsanker Plakat
 

2020

Das Jahr 2020 stellt uns vor besondere Herausforderungen. Das MBT Berlin bleibt jedoch auch in dieser Situation flexibel und nutzt die Zeit der Einschränkungen durch die Pandemie-Maßnahmen konstruktiv für die eigene Weiterentwicklung. Wir stellen uns auf die Möglichkeiten und Bedarfe unserer Beratungsnehmenden ein und erproben neue digitale Formate und Methoden. Außerdem überprüfen wir, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf unsere Inhalte hat. Zum Beispiel haben wir uns aktuell intensiv mit den Themen Verschwörungstheorien sowie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auseinandergesetzt. Daraus gehen in Kürze Publikationen hervor, die wir auf diesen Seiten veröffentlichen.

Schaubild MBT Berlin

Das Mobile Beratungsteam blickt auf nunmehr fast 20 Jahre Erfahrungen und Expertise zurück, die in zahlreichen Publikationen dokumentiert sind. Das fachliche Profil und Angebot fußt heute auf drei Säulen: Community Communication, Diversityorientierung und Diskriminierungssensibilisierung sowie Demokratiebildung in der Migrationsgesellschaft. Alle drei Tätigkeitsfelder stehen in engem Zusammenhang und haben das Ziel, die demokratische Aushandlungs- und Diskursfähigkeit der Gesellschaft in komplexen Vielheitsverhältnissen zu erhalten und zu erweitern, um so gruppenbezogenen menschenfeindlichen Stimmungen und Handlungen wirksam und nachhaltig zu begegnen.

Die Besonderheit mobiler Beratung liegt dabei bis heute darin, nicht nur räumlich mobil, sondern auch flexibel auf sozialräumliche und gesellschaftliche Bedarfe und Konfliktlagen reagieren zu können - auf Grundlage 19jähriger Erfahrung und mit der Offenheit, Fragen des demokratischen Zusammenlebens immer wieder neu zu stellen und situationsgerecht zu beraten.

So wächst die Einsicht, dass Fragen der Beteiligung drängender werden, dass Veränderungsprozesse oft längerfristige Begleitung brauchen und nicht zwischen "großer und kleiner Pause" erledigen werden können und dass Demokratie kein Selbstläufer ist, sondern gelebt, erstritten und verteidigt werden muss. Es bleibt viel zu tun.


Das Mobile Beratungsteam Berlin ist ein Projekt der

Stiftung SPI

Förderer und Zuwendungsgeber

Demokratie leben!
LADS
 

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