Community Communication
Unser Konzept für Dialog im Gemeinwesen
Gesprächsanker

für den Umgang mit demokratiefeindlichen und diskriminierenden Äußerungen

Wir arbeiten mobil in Berlin
Wir arbeiten mobil in Berlin
 
 

Rückblick auf DMDZ digital - Obdachlosigkeit und Obdachlosenfeindlichkeit in der Pandemie

07.04.2021

Rückblick auf DMDZ digital - Obdachlosigkeit und Obdachlosenfeindlichkeit in der Pandemie

Online-Veranstaltung von Freitag, 26. März 2021,14-16 Uhr Web-Talk mit Prof. Dr. Dierk Borstel & Tim Sonnenberg (FH Dortmund), Birgit Münchow (AWO Berlin e.V.) und Klaus Seilwinder (querstadtein e.V.)

Die Pandemie trifft wohnungslose Menschen besonders hart. Hilfsangebote fallen weg, Aufenthaltsorte sind geschlossen und zudem gehören sie häufig gesundheitlichen Risikogruppen an und sind dadurch besonders gefährdet. Damit verschärfen sich ihre Lebensbedingungen, die generell von Ausgrenzung und häufig von Gewalterfahrungen geprägt sind. Denn hier überschneiden sich mehrere Dimensionen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit: Wohnungslose werden Opfer von Sozialchauvinismus, von Rassismus, von Romafeindlichkeit, aber auch von Behindertenfeindlichkeit und anderen Diskriminierungsformen.

Diesen Zusammenhängen widmete sich unsere dritte Online-Veranstaltung in der Reihe „Im Dialog mit der Zeit“, mit Graphic Recording begleitet von Sophie Schrader.

Tim Sonnenberg und Prof. Dr. Dierk Borstel von der FH Dortmund berichteten von ihrer Studie zur Situation von wohnungslosen Menschen, die sie in Dortmund durchgeführt haben. Der Fokus der Studie lag auf der Lebenswelt und den Bedarfen von wohnungslosen Menschen. Ein Ergebnis: „Den“ oder „die“ Obdachlose:n gibt es nicht, die Hintergründe und Lebenswelten unterscheiden sich sehr. Und: Wohnungslos zu werden, ist einfach – wieder herauszufinden, ist sehr schwer. Wie diese Situation mit der weit verbreiteten Feindlichkeit gegenüber wohnungslosen Menschen zusammenhängt und welche Rolle Schuldzuweisungen an die Betroffenen dabei spielen, stellten sie in ihrem Vortrag dar. Die umfassende Diskriminierung von Rom:nja hoben sie dabei besonders hervor.

Birgit Münchow vom AWO Landesverband Berlin e.V. sprach über die Situation von Frauen in der Wohnungslosigkeit und zeigte am Beispiel der Einladung zu unserer Veranstaltung, wie stark diese meist übersehen werden. 70-80% der wohnungslosen Frauen haben Gewalterfahrungen gemacht, viele von ihnen leben nicht auf der Straße, sondern kommen in unsicheren, abhängigen Wohnverhältnissen unter. In diesem Zusammenhang stellte Frau Münchow noch einmal die Unterschiede zwischen (häufig verdeckter) Wohnungs- und Obdachlosigkeit heraus. Sie hob hervor: Die Ignoranz der Situation von wohnungslosen Frauen führt zu einem Teufelskreis. (Sexualisierte) Gewalterfahrungen und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts führen zu psychischer Belastung und Wohnungslosigkeit. Einmal in der Wohnungslosigkeit angekommen, erleben die Betroffenen häufiger Gewalt. Frau Münchow ging auch auf die Situation von Frauen und Kindern in der Corona-Pandemie ein: Sie erleben noch häufiger Gewalt und können ihr noch schwerer entkommen.

Klaus Seilwinder, Stadtführer bei querstadtein e.V. kommentierte die Beiträge und erzählte von seinen eigenen Erfahrungen auf der Straße. Er hob ebenfalls die Vielfalt wohnungsloser Menschen hervor und betonte: „den oder die Obdachlose:n gibt es nicht“. Gleichzeitig drängte er darauf, die Menschlichkeit wohnungsloser Menschen anzuerkennen und das Recht auf Wohnen für alle durchzusetzen. In Bezug auf Diskriminierung von Wohnungslosen sprach er zum einen von körperlicher Gewalt durch Rechtsextreme, von Schlägen und Mord durch Verbrennung, zum anderen nannte auch er die weit verbreitete Ignoranz der Mehrheitsgesellschaft, die bis zum Wegschauen bei Attacken auf Wohnungslose reicht. Sehr eindringlich schilderte er, wie schmerzhaft auch verbale Gewalt ist: „Man fühlt sich nicht mehr als Mensch“. Seilwunder ging auch auf strukturelle Gewalt ein, die er z.B. in der aktuellen Räumung von Schlafplätzen wie in der Rummelsburger Bucht sieht. Hier mache sich die Polizei zum Handlanger von Grundstücksbesitzer:innen. Wohnungslose würden so entrechtet und als Menschen nicht geachtet.

Im Anschluss diskutierte das Publikum sehr engagiert mit den Referent:innen und teilte eigene Erfahrungen. Es beteiligten sich sowohl Fachleute aus der sozialen Arbeit und Verwaltung sowie betroffene Aktivist:innen, die insbesondere die Notwendigkeit von „Housing First“- Maßnahmen betonten. Einigkeit herrschte darüber, dass das Thema auf die Tagesordnung gehört.

Hier finden Sie die Redebeiträge im Audio-Mitschnitt, begleitet von der Präsentation von Tim Sonnenberg sowie dem Graphic Recording von Sophie Schrader.



Kontakt:
Mo - Fr, 9 - 17 Uhr

Tel:  030.41 72 56 - 28 oder
         030.44 23 71 8
Fax: 030.44 03 41 46

E-Mail:  mbtberlin[at]stiftung-spi.de

Wir sind im Prozess, unsere Website barrierearmer zu gestalten und freuen uns über Ihre Hinweise.


Das Mobile Beratungsteam Berlin ist ein Projekt der

Stiftung SPI

Förderer und Zuwendungsgeber

 
Demokratie leben!

Gefördert von

Berlin Logo SenJus

Im Rahmen des Landesprogramms

Landesprogramm
 
 

Diese Seite wird gehostet durch das Landesprogramm jugendnetz-berlin:
http://www.jugendnetz-berlin.de

Landesprogramm jugendnetz-berlin

Copyright © MBT Berlin 2018